Eine Larynxparalyse ist eine Funktionsstörung des Kehlkopfes, bei der sich die Stimmritze beim Einatmen nicht mehr ausreichend öffnet. Betroffene Hunde entwickeln häufig ein auffällig lautes Atemgeräusch, eine veränderte Stimme, eine zunehmende Belastungsintoleranz oder Atemnot. Besonders bei Wärme, Aufregung und körperlicher Anstrengung können sich die Beschwerden erheblich verstärken.
In unserer spezialisierten Kleintierpraxis untersuchen und behandeln wir Hunde mit Erkrankungen des Kehlkopfes und der oberen Atemwege. Neben der etablierten einseitigen Aryknorpellateralisation bieten wir bei sorgfältig ausgewählten Patienten eine videoassistierte transorale partielle Arytenoidektomie mit dem Holmium Laser an. Der Eingriff erfolgt endoskopisch über das Maul und damit ohne äußeren Hautschnitt am Hals.
Was ist eine Larynxparalyse?
Der Kehlkopf bildet den Übergang vom Rachen zur Luftröhre. Beim Einatmen öffnen sich normalerweise die Aryknorpel und vergrößern die Stimmritze, damit die Luft ungehindert in die Lunge strömen kann. Gleichzeitig schützt der Kehlkopf die tieferen Atemwege beim Schlucken vor Futter und Flüssigkeit.
Bei einer Larynxparalyse werden ein oder beide Aryknorpel nicht mehr ausreichend bewegt. Die Stimmritze bleibt beim Einatmen zu eng. Dadurch steigt der Atemwiderstand, und es entsteht das typische raue oder pfeifende Einatemgeräusch.
Die Erkrankung kann angeboren sein, tritt jedoch besonders häufig bei älteren mittelgroßen und großen Hunden auf. Bei älteren Patienten kann sie Bestandteil einer generalisierten neurologischen Erkrankung sein, die als Geriatric Onset Laryngeal Paralysis Polyneuropathy, kurz GOLPP, bezeichnet wird.
Symptome einer Larynxparalyse
Erstes Anzeichen: verändertes Bellen, veränderte Stimme
Laryngealer Stridor (Atemgeräusche beim Einatmen aus dem Kehlkopfbereich)
Intoleranz gegenüber Hitze
Leistungsinsuffizienz
Husten, Röcheln
Inspiratorische Dyspnoe (Atemnot beim Einatmen)
Zyanose (Sauerstoffmangel, blau Verfärbung der Zunge und Schleimhäute)
Nicht jeder Hund zeigt alle Symptome. Häufig entwickelt sich die Erkrankung schleichend, sodass die eingeschränkte Belastbarkeit zunächst irrtümlich dem normalen Alter zugeschrieben wird.
Eine Larynxparalyse kann sowohl angeboren sein (Bouvier de Flandres, Bulldogge) als auch sich im Alter entwickeln. Häufig trifft es große Hund >9 Jahre. Aber auch Katzen können erkranken. Viele Patienten zeigen auch Symptome einer Geriatric onset laryngeal paralysis polyneuropathy (GOLPP). GOLPP ist eine Erkrankung des gesamten Nervensystems, deren häufigstes Symptom die Kehlkopflähmung ist.
Wann handelt es sich um einen Notfall?
Akute Atemnot bei einer Larynxparalyse kann lebensbedrohlich werden. Besonders gefährlich sind hohe Außentemperaturen, körperliche Anstrengung, Aufregung und Übergewicht.
Sofortige tierärztliche Hilfe ist erforderlich, wenn der Hund:
stark angestrengt oder mit weit geöffnetem Maul atmet
eine blaue oder graue Zunge entwickelt
nicht mehr stehen kann oder kollabiert
deutlich überhitzt ist
trotz Ruhe zunehmend schlechter Luft bekommt
Der Hund sollte bis zur tierärztlichen Versorgung möglichst ruhig und kühl gehalten werden. Belastung und Manipulationen im Halsbereich sind zu vermeiden.
Wie wird eine Larynxparalyse diagnostiziert?
Ein erfahrener entsprechend geschulter Tierarzt kann schon an den typischen Atemgeräuschen eine Larynxparalyse vermuten. Dies ist noch keine Diagnose, da auch andere seltenere Erkrankungen ähnliche Symptome auslösen können. Dies erste Einschätzung rechtfertigt aber eine Untersuchung des Kehlkopfes in Sedation, bei der eine sichere Diagnose gestellt werden kann.
Untersuchung auf Begleiterkrankungen
Abhängig von Alter, Symptomen und Allgemeinzustand können zusätzlich sinnvoll sein:
Röntgenaufnahmen des Brustkorbs
CT-Untersuchung von Hals und Brustkorb
Untersuchung auf eine Aspirationspneumonie
Beurteilung der Speiseröhre und möglicher Schluckstörungen
neurologische Untersuchung bei Verdacht auf GOLPP
kardiologische Untersuchung bei älteren Risikopatienten
Röntgen- und Blutuntersuchungen bestätigen die Larynxparalyse nicht unmittelbar. Sie dienen vor allem dazu, Begleiterkrankungen zu erkennen und das individuelle Narkose- und Operationsrisiko einzuschätzen.
GOLPP – mehr als eine Erkrankung des Kehlkopfes
Bei vielen älteren Hunden ist die erworbene Larynxparalyse Teil einer langsam fortschreitenden Polyneuropathie. Neben der Kehlkopffunktion können im weiteren Verlauf auch andere Nerven und Muskelgruppen betroffen sein.
Mögliche zusätzliche Anzeichen sind:
Schwäche der Hinterhand
unsicherer oder schleifender Gang
verminderte Stellreaktionen
Muskelabbau
Schluckstörungen
Funktionsstörungen der Speiseröhre
Eine Operation kann die durch den Kehlkopf verursachte Atemwegsverengung verbessern. Sie behandelt jedoch nicht die zugrunde liegende neurologische Erkrankung. Dieser Unterschied ist für eine realistische Prognose und langfristige Betreuung wichtig.
Konservative Behandlung
Bei milden Symptomen, erhöhtem Operationsrisiko oder einer bewusst zunächst abwartenden Vorgehensweise kann eine konservative Behandlung sinnvoll sein.
Dazu gehören insbesondere:
Vitamin B & L-Carnitin
Leistungsspitzen vermeiden
Ruhe
Kühlen
Normalisierung des Körpergewichts
Vermeidung von Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit
Verzicht auf starke körperliche Belastungen
Brustgeschirr statt Halsband
Vermeidung von Stress und starker Aufregung
kontrollierte Bewegung in den kühlen Tageszeiten
Behandlung möglicher Begleiterkrankungen
individueller Notfallplan
Diese Maßnahmen können die Belastung des Hundes verringern, beheben die fehlende Öffnung des Kehlkopfes jedoch nicht.
Chirurgische Behandlung
Eine Operation wird insbesondere erwogen, wenn Atemgeräusche, Belastungsintoleranz oder Atemnot die Lebensqualität deutlich einschränken oder wiederholt kritische Situationen auftreten.
Einseitige Aryknorpellateralisation
Bei der einseitigen Aryknorpellateralisation, häufig auch „tie-back“ genannt, wird ein Aryknorpel dauerhaft in einer weiter geöffneten Position fixiert. Dadurch wird die Stimmritze erweitert und der Atemwiderstand reduziert.
Die Methode ist seit Langem etabliert. Dr. Jens Diel operiert nach dem tie-back Verfahren seit Februar 2012. Zu den möglichen Komplikationen gehören insbesondere Husten, Schluckprobleme und eine Aspirationspneumonie. Das individuelle Risiko wird vor dem Eingriff sorgfältig anhand der Schluckfunktion, der Speiseröhre und möglicher Begleiterkrankungen beurteilt.
Videoassistierte transorale partielle Arytenoidektomie mit Holmium Laser
Bei ausgewählten Hunden bieten wir als spezialisierte minimalinvasive Option eine transorale partielle Arytenoidektomie an.
Der Eingriff erfolgt:
chirurgische Therapie
über das geöffnete Maul
unter hochauflösender videoendoskopischer Sicht
ohne äußeren Hautschnitt am Hals
mit kontrollierter partieller Abtragung von Gewebe des Aryknorpels
unter Verwendung eines Holmium Lasers
Durch die partielle Abtragung wird die Atemwegsöffnung im Bereich der Stimmritze vergrößert. Ziel ist es, den Luftstrom zu verbessern und gleichzeitig nur so viel Gewebe zu entfernen, wie für eine ausreichende Erweiterung erforderlich ist.
Die Technik kann insbesondere bei anatomisch geeigneten Patienten, bei komplexen Befunden oder nach bestimmten Voroperationen als Salvage Lösung eine Behandlungsoption darstellen. Sie ist nicht für jeden Hund geeignet und nicht grundsätzlich jeder anderen Operationsmethode überlegen.
Welche Operationsmethode ist die richtige?
Die Entscheidung wird individuell getroffen. Berücksichtigt werden unter anderem:
Ausmaß der Larynxparalyse
Schweregrad der Atemnot
Anatomie des Kehlkopfes
Schluckfunktion
Zustand von Speiseröhre und Lunge
neurologische Begleiterkrankungen
Alter und Allgemeinzustand
frühere Kehlkopfoperationen
individuelle Narkose- und Aspirationsrisiken
Unser Ziel ist nicht die Anwendung einer bestimmten Methode bei jedem Patienten, sondern die Auswahl des Verfahrens, das im konkreten Fall das sinnvollste Verhältnis aus Atemwegsverbesserung und Risiko erwarten lässt.
Nachsorge nach einer Kehlkopfoperation
Nach dem Eingriff werden Atmung, Sauerstoffversorgung, Schwellung und Schluckfunktion sorgfältig überwacht. Je nach Patient kann eine stationäre Überwachung erforderlich sein.
In der ersten Zeit nach der Operation sind typischerweise wichtig:
ruhige Haltung
Vermeidung von Hitze und Belastung
Fütterung nach individueller Anweisung
Verwendung eines Brustgeschirrs
Beobachtung auf Husten, Fieber oder beschleunigte Atmung
konsequente Gewichtskontrolle
vereinbarte Nachuntersuchungen
Auch nach erfolgreicher Erweiterung der Atemwege bleibt bei einigen Patienten ein lebenslang erhöhtes Risiko für Verschlucken oder Aspirationspneumonie bestehen.
Prognose
Viele Hunde zeigen nach einer geeigneten chirurgischen Behandlung eine deutliche Verbesserung der Atmung und Belastbarkeit. Das Ergebnis hängt jedoch wesentlich von der Schluckfunktion, möglichen Lungenerkrankungen, dem neurologischen Gesamtzustand und der gewählten Operationstechnik ab.
Bei Hunden mit GOLPP verbessert die Operation die mechanische Verengung des Kehlkopfes, verhindert aber nicht das mögliche Fortschreiten der zugrunde liegenden Polyneuropathie.
Häufige Fragen
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Kann eine Larynxparalyse medikamentös geheilt werden?
Nein. Medikamente können in bestimmten Situationen Schwellungen, Unruhe oder Begleiterkrankungen behandeln. Die gelähmte Kehlkopfmuskulatur lässt sich dadurch in der Regel nicht wieder dauerhaft aktivieren.
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Ist jeder Hund mit Larynxparalyse operationsbedürftig?
Nein. Hunde mit milden und stabilen Symptomen können zunächst konservativ betreut werden. Bei zunehmender Atemnot, deutlicher Belastungsintoleranz oder wiederholten Krisen sollte eine chirurgische Behandlung geprüft werden.
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Was bedeutet transoral?
Transoral bedeutet, dass der Eingriff über das Maul durchgeführt wird. Bei der partiellen Arytenoidektomie ist daher kein äußerer Schnitt an der Halsseite erforderlich.
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Was ist der Vorteil der Videoassistenz?
Die Videoendoskopie ermöglicht eine vergrößerte und detaillierte Darstellung des Kehlkopfes. Die Gewebebearbeitung und die Größe der verbleibenden Atemwegsöffnung können dadurch unmittelbar beurteilt werden.
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Warum wird ein Holmium Laser eingesetzt?
Der Holmium Laser ermöglicht eine präzise und kontrollierte Gewebebearbeitung bei gleichzeitig begrenzter Eindringtiefe. Ob der Einsatz im Einzelfall sinnvoll ist, hängt von Anatomie, Befund und Operationsplanung ab.
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Kann die Operation nach einer erfolglosen Voroperation durchgeführt werden?
Bei bestimmten Patienten kann eine transorale partielle Arytenoidektomie als sogenannte Salvagelösung auch nach einer früheren Kehlkopfoperation erwogen werden. Voraussetzung ist eine erneute endoskopische Untersuchung und individuelle Beurteilung der Anatomie.
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Kann mein Hund nach der Operation wieder normal fressen?
Viele Hunde können nach der Erholungsphase wieder gut fressen. Da der Kehlkopf gleichzeitig eine Schutzfunktion beim Schlucken besitzt, müssen Fütterung und Schluckfunktion nach dem Eingriff individuell beurteilt werden.
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Welche Anzeichen sprechen für eine Aspirationspneumonie?
Mögliche Warnzeichen sind Husten, Fieber, Mattigkeit, Appetitverlust, beschleunigte Atmung oder eine erneute Atemverschlechterung. In diesem Fall sollte der Hund zeitnah tierärztlich untersucht werden.
Terminvereinbarung
Bei Verdacht auf eine Larynxparalyse, zunehmenden Atemgeräuschen oder zur Beurteilung eines bereits diagnostizierten Patienten können Sie unter 02150 705732 einen Untersuchungstermin vereinbaren.
Bei akuter Atemnot, blauer Zunge oder Kollaps handelt es sich um einen Notfall.